Pressestimmen zu LET IT PIPE

Haller Kreisblatt 8. Februar 2012:

REIZVOLLES SPIEL MIT MANUALEN UND PEDALEN

„Let it pipe“ - Akzentuierte Transkribtionen von Beatles-Songs von Professor Ulrich Lamberti

Von Christiane Gerner

Halle. Beatles-Songs haben Melodien in die Welt gesetzt, die zur „Ursuppe“ des eigenen Seins gehören. Jeder Mensch auf der Welt kennt die Tonfolgen. Durch die Transkribtionen für Orgel von Prof. Ulrich Lamberti erlangen die „Ohrwürmer“ eine völlig neue Dimension. Das Bachtage Orgel-Konzert war so gut wie ausverkauft. Ermutigender Weise wollten gerade junge Menschen diesen Abend nicht verpassen.

Nach dem „Can’t buy my love“ wippten viele Zuhörer nicht nur mit den Fußspitzen -  beim legendären „Michelle“. Alle Zuhörer, die den freien Blick auf den „Arbeitsplatz“ Heintz-Orgel hatten, konnten sehen, wie gleich zwei Registerfrauen dem Organisten fleißig zur Seite standen. Almut Hage und Sofie Kriese agierten hoch konzentriert, wofür sich der Meister herzlichst bedankte.

„Meine Transkribtionen haben auch mich als langjährigen Orgelspieler an ungeahnte Herausforderungen geführt“, erläuterte Lamberti, bevor er beim bekannten „Penny lane“ erneut eine sehr farbige Registratur vorlegte. Ganz besonders Lust am bestens hörbaren Tabubruch legte Lamberti nach „Yesterday“ und „A hard day’s night“ mit dem etwas unbekannteren „Maxwell silver hammer“ vor. Hier imitierte Lamberti in seiner Registrierung kompositorische Mittel von Messian.

Da aus organisatorischen Gründen kein Publikumsprogramm vorlag, konnten sich alle Beatles- und bald auch Lamberti-Fans ganz den Tönen hingeben. Dabei ging es Lamberti nicht um das freie Improvisieren, sondern „meine Transkribtionen suchen die Nähe zum Original“. In seinen Ausführungen zwischen den Songs zeigte Lamberti die Nähe seiner Kompositonsarbeit zum diesjährigen Bachtage-Thema „Transformation“ auf. Dabei sehe er sich in „allerbester Gesellschaft“, so Lamberti, „auch Bach hat Streichquartette von Antonio Vivaldi für die Orgel gesetzt und so ganz neues Interesse bei einem neuen Publikum geschaffen“.

Nach einem kleinen Exkurs in Sachen Orgelkunde – die Heintz-Orgel verfügt über 2198 Pfeifen in den Größen von 19 Millimeter bis zu sagenhaften 5,10 Metern – und allein 34 Registern – fand manch ungeübter Zuhörer ganz schnell die Nähe zum tieferen Verständnis all der Klangfarben in unendlichen Möglichkeiten zwischen Metall und Holz, romantisch und Big-Band-Sound.

Nach einem sehr rhythmisch angelegten „Lady Madonna“ gab Ulrich Lamberti zum Konzertschluss das „Let it be“, dem Paul Mc Cartney-Song von Januar 1969, in dem der Komponist sich den „Frust von der Seele schrieb“ – angesichts der großen Probleme innerhalb der Fab Four. „Mc Cartney ist hier als noch nicht 30-jährigem ein großes Lied von der Gelassenheit gelungen, das die Kraft hat, böse Geister zu vertreiben“.

Natürlich wollten die Zugabe-gewohnten Bachtage-Besucher Prof. Lamberti nicht so einfach ziehen lassen. Mit viel Applaus „erzwangen“ die vielen Beatles/Orgel-Fans eine weitere „Lady Madonna“ und natürlich auch das „Yesterday“.

Die Öffnung des Bachtage-Programms und das Erreichen jüngerer Zielgruppen, beides war am „Let it pipe“-Abend da - und ist gelungen. 

 

 

Mitteldeutsche Zeitung / Wittenberg  31. Mai 2011

LADY MADONNA BEI LUTHER

Von Alexander Baumbach

Schlagartig still wurde es am Sonntagabend, als sich Ulrich Lamberti an die Orgel in der Wittenberger Stadtkirche setzte. "Let it pipe" heißt das Projekt, mit dem der Kirchenmusikprofessor die Beatles auf das Instrument mit seinen über 4 200 Pfeifen bringt. Zur Erlebnisnacht im vergangenen Jahr hatte man schon einmal Gelegenheit, sich Hits wie "Let it be" oder "Yesterday" in Transkription von Lamberti anzuhören. "Es macht Spaß", lachte Lamberti nach dem Konzert.

Seit hunderten Jahren gebe es die Tradition, Musik für die Orgel umzuschreiben. Beispielhaft erwähnt Lamberti in einem seiner kurzen Moderationsstücke zwischen den 16 Songs Johann Sebastian Bach, der ganze Violinkonzerte Antonio Vivaldis auf das Kircheninstrument "übersetzt" hat.

Die Tochter war's

Auf den Beatles-Geschmack kam Lamberti - nach langer Abstinenz - durch seine Tochter. Die habe ihm einen Zusammenschnitt alter Songs geschickt - und da habe er wieder Blut geleckt. Das muss in der Familie liegen, schließlich habe in seiner Jugend die Großmutter über die Entwicklung des lambertischen Musikgeschmacks gewacht, erzählt Lamberti, der viele Jahre gemeinsam mit seiner Frau Heike Mross-Lamberti an Martin Luthers einstiger Predigtkirche als Kantor tätig war. Der heutige Dozent an der evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle hat sich für "Let it pipe" lange mit den vier Liverpoolern beschäftigt. "Die Art und Weise, wie moderne Musik komponiert ist, gibt es in der klassischen Orgelmusik natürlich nicht. Streckenweise hatte ich das Gefühl, dass ich das Spielen neu lernen muss", beschreibt er die Schwierigkeit, neue Bewegungsabläufe für Hände und Füße umsetzen zu müssen. Am Spaß ändere das aber nichts, hat er sich mit seinem Vorhaben doch auch ein hehres Ziel gesetzt: "Ich will Menschen wieder für Orgelkonzerte begeistern." Am Sonntag ging diese Rechnung wohl auf, zumindest der Hauptgang des Kirchenschiffes und der extra bestuhlte Altarraum waren gut gefüllt. Nah dran an den Originalen habe er bleiben wollen, so Lamberti. Dabei stieß er auch auf Schwierigkeiten - war doch beispielsweise "The long and winding road" in einem Arrangement mit großem Orchester und Frauenchor am bekanntesten, obwohl Paul McCartney diese Version nicht leiden mochte. Im Internet habe Lamberti dann nach langer Suche eine Aufnahme (in sehr schlechter Qualität) gefunden, in der die vier Pilzköpfe den Titel allein aufgenommen hatten. An diesem habe er sich orientieren können.

Fortsetzung folgt

Die ruhigen Stücke wie "Michelle" oder "Here comes the sun" kommen auf dem 1983 erbauten Instrument besonders vertraut daher - aber auch rhythmisch interessante Songs wie "Get back" wurden überzeugend inszeniert. Durch geschickten Einsatz der 53 Register vermisste man gar kein Schlagzeug, und auch elektrische Gitarren erscheinen beinahe verzichtbar, wenn Lamberti "Maxwell's Silver Hammer" an den Hand- und Fußmanualen in den Raum der Stadtkirche St. Marien stellt.

In diesen kirchlichen Kontext passt "Lady Madonna" besonders. "Man hat mich angeregt, auch noch andere Musik dieser Zeit auszuprobieren. Da gibt es einiges aus den Solo-Karrieren der Beatles, was interessant wäre", beschreibt er seine weiteren Pläne mit der Transkription von Musik aus den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. "In ABBA könnte man auch mal hereinhören. Und dann gibt es auch noch etliche Beatles-Songs, die ich noch ausprobieren möchte", verspricht er.

Das jetzt aufgeführte Programm erscheint in 14 Tagen auch auf CD. Mehr Informationen über das Projekt findet man im Internet.